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Trump und die Wiedergeburt des Protestsongs

Die Musikszene ist aufgeschreckt. Es werden Schallwellen gegen die Schockwirkung aus dem Weissen Haus produziert. Der politische Protestsong erlebt eine Wiedergeburt.

Madonna fordert eine «Revolution der Liebe». Alicia Keys ruft in die Menge «Unsere Möglichkeiten sind unbegrenzt» und reckt die geballte Faust in die Luft. Die Sängerinnen geben beim ‹Frauenmarsch› den Ton an für eine neue Bewegung, die seit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten täglich an Kraft gewinnt.

Vor hunderttausenden Trump-Gegnern beim ‹Frauenmarsch› in Washington werden die Sängerinnen Madonna und Alicia Keys zu Ikonen der neuen Protestbewegung. Andere okkupieren den virtuellen Raum. Die Indie-Rock-Band Arcade Fire hat pünktlich zum Amtsantritt des Präsidenten den Song ‹I Give You Power› ins Netz gestellt.

Der Bürgerrechtsaktivist Mavis Staples will damit Geld sammeln für die American Civil Liberties Union (ACLU). Das erklärte Ziel besteht darin, Trump mit Gerichtsverfahren zu überziehen. Schon nach wenigen Tagen verzeichnet die Homepage 570’000 Klicks.

‹No Trump! – No Fascist USA!›

Die virtuellen Rocker Gorillaz haben zum Trump-Amtsantritt den Titel ‹Hallelujah Money› herausgebracht. Sie reihen sich ein in den bunten Reigen von Künstlern, die seit der Wahl mit den Mitteln der Musik gegen die heraufziehende Ära ankämpfen.

Mitstreiter sind Rapper Joey Bada$$ mit seinem Song ‹Land of the Free› und DJ Moby mit dem Video ‹Erupt and Matter›.

Die Punker von Green Day brachten diesen Kampf auf die Formel ‹No Trump! – No Fascist USA!› (im Video ab Minute 2:02).

Zum Benefiz-Album ‹Battle Hymns›, das zur Vereidigung Trumps erschien, zählen Titel bekannter Indie-Rock-Bands der 90er Jahre – Pavement, Sleater-Kinney und Built to Spill.

Und schon ist ein neues Grossprojekt mit dem Titel ‹Our First 100 Days› auf den Weg gebracht. Es soll Mittel für die Rechte von Einwanderern und den Kampf gegen den Klimawandel einspielen. Vorläufer war die Song-Sammlung ‹30 Days, 30 Songs›, die in der Wahlkampagne Soundtracks etwa von R.E.M., Death Cab for Cutie und Franz Ferdinand bündelte.

Kaum einer wollte für ihn singen

Es ist ein drastischer Schnitt. Trumps Vorgänger Barack Obama konnte sich in seinen acht Amtsjahren immer wieder öffentlichkeitswirksam mit Pop-Grössen in Szene setzen. Der erste schwarze Präsident der USA genoss Unterstützung etwa von Beyoncé, U2 und Bruce Springsteen.

Schon im Wahlkampf musste Trump damit leben, dass Showgrössen sich lieber an die Seite seiner Konkurrentin Hillary Clinton stellten. Als Kultur-Highlight seiner Inaugurationsfeier standen dann bloss Country-Musiker und ein Mormonenchor bereit – Topstars wollten nicht mitmachen.

Auch Trumps Prahlereien mit sexuellen Übergriffen werden musikalisch verarbeitet. So schmettert dem Präsidenten ein Kampfsong der für ihre Rechte demonstrierenden Frauen entgegen, in dem es um seine ‹kleinen Hände› geht.

Im Vorwahlkampf der Republikaner hatte es eine Debatte um die Grösse von Trumps Händen gegeben, in der es verkappt um die Dimension eines anderen Körperteils ging. In dem Schmähsong von Fiona Apple heisst es: ‹Wir wollen deine winzigen Hände nirgendwo in der Nähe unserer Unterwäsche.›

(sda/afp/Shaun Tandon)

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